An einer Essstörung erkrankt? Die Zahl auf der Waage nur ein Indikator von vielen!

Nora Burgard-Arp berichtet auf SpiegelOnline in dem Artikel „Kriterien für Magersucht: Die Waage und die Seele“ über Alexandra, einer jungen Frau, deren Essstörung erst spät erkannt wurde. Sie habe sich in kürzester Zeit von einem Übergewicht ins Normalgewicht heruntergehungert. Körperliche Folgeerscheinungen, wie das Ausbleiben der Periode und Herzprobleme, waren vorhanden, aber äußerlich nicht unmittelbar erkennbar. Dass die isolierte Betrachtung des Gewichts nicht ausreicht, um eine Essstörung als solche zu erkennen, zeigt dieser lesenswerte Artikel.

Wir nehmen den Bericht zum Anlass, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich Essstörungen individuell sehr unterschiedlich äußern können.Einige Betroffene weisen Symptome auf, die dem klassischen Bild einer Magersucht, Bulimie oder Binge Eating Störung entsprechen. Viele Betroffene wechseln aber im Verlauf der Erkrankung zwischen den Essstörungsdiagnosen und die Erkrankung äußert sich in Mischformen. Und mehr als die Hälfte der diagnostizierten Essstörungen fällt unter dem Begriff „atypische Essstörung“. Das bedeutet, dass der überwiegende Anteil der Betroffenen nicht die vollen Kriterien einer „klassichen“ Essstörung erfüllt. Atypische oder nicht nähe bezeichnete Essstörungen dürfen aber nicht als ‚Restkategorie‘ verstanden werden, sie beinhalten eine vielfältige Gruppe an Krankheitsbildern. (Vgl. De Zwaan & Mühlhans 2008: 24ff)

Die Diagnosestellung eröffnet häufig den Weg zu einer professionellen Behandlung. Essstörungen können als individueller Lösungsversuch verstanden werden, mit dem die Betroffenen verschiedene psychosoziale Anforderungen und Krisen bewältigen. Die Diagnosestellung ist hilfreich, gibt aber keine Auskunft darüber, in welchem Maß die Betroffenen körperlich, psychisch und sozial eingeschränkt werden.

Um Orientierung und frühzeitig Hilfe zu ermöglichen, bieten wir vom sMUTje Team eine  Starthilfe für mutige Jugendliche mit Essstörungen. Eindeutige Diagnosen sind bei uns nicht so wichtig, wir selbst diagnostizieren aucht nicht. Wir unterstützen hamburgweit Betroffene, Angehörige und Fachkräfte durch kostenlose Beratungen und Gruppenangebote.Wir sind für Dich/Sie da: Persönlich ohne Voranmeldung und auf Wunsch anonym im Rahmen unserer offenen Sprechstunden in fünf hamburger Bezirken, telefonisch oder per E-Mail. Sei mutig, mach den ersten Schritt, such Dir Hilfe, wir unterstützen Dich!

 

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„Im Sinne der Prävention wünscht sich auch Alexandra, dass sich das Bild der Magersucht in der Gesellschaft wandelt und die psychischen Zwänge und Kämpfe mehr in den Vordergrund der allgemeinen Kenntnis rücken – und nicht nur das extrem dünne Körperbild: ‚Die Krankheit ist immer das Resultat einer gekränkten Seele und sollte nicht ausschließlich davon abhängig gemacht werden, wie viel jemand wiegt.‘“ (Burgard-Arp 2016).

 

 

 

 

 

 

 

 

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