Essstörungen und soziale Medien

Es ist nicht neu, dass sich von Essstörungen Betroffene im Internet austauschen. Die Anonymität schützt und die Gedanken, die reale Freunde nicht nachvollziehen können, finden Verständnis. Das gibt vielen Nutzer/innen ein gutes Gefühl, macht es aber auch umso schwerer, einen Weg aus der Essstörung herauszufinden.

Mit der Weiterentwicklung der sozialen Medien und einschlägigen Apps stehen nun viel mehr Kanäle zur Wahl als noch vor einigen Jahren. Bei Menschen mit Essstörungen sind es besonders Whatsapp und Instagram, beide zum Facebook-Konzern gehörend, beliebt und viel genutzt.

Aber wie sieht das aus? Was macht mein Kind, mein/e Freund/in da?

Whatsapp

Dieser Dienst ersetzt zumeist die SMS und ist internetbasiert. Mit dieser Smartphone-App können Kontakte aber auch in Gruppen gebündelt werden. Betroffene tauschen über das Internet ihre Handynummern aus und schließen sich zu Whatsapp-Gruppen zusammen. Viele bezeichnen sich leider als Pro-Ana und unterstützen sich in den Gruppen gegenseitig beim Abnehmen. Wo im realen Leben die sozialen Kontakte einschlafen, weil die Lebensthemen sich mit fortschreitender Essstörung immer mehr von denen der Freunde unterscheiden, ist viel Raum für Einsamkeit. Die Whatsapp-Gruppe mit anderen Essgestörten vermittelt Halt und soziale Kontakte – aber im Sinne der Essstörung, ein Ausstieg wird immer schwieriger. Vorsicht ist geboten (und darüber sollte man seine/n betroffene/n Angehörige/n auf jeden Fall informieren), denn es gibt Hinweise darauf, dass Pädophile diese Gruppen ausnutzen, um mit falscher Identität an Unterwäschebilder zu gelangen (Artikel zum Thema hier).

Instagram

Im Gegensatz zu Whatsapp basiert die App Instagram in erster Linie auf dem hochladen von Bildern. Diese Bilder werden von den Nutzern mit sogenannten Hashtags (Symbol #) versehen, also Begriffen, die die Nutzer mit den Bildern verbinden. Zum Beispiel #magersucht. Nach Hashtags kann in der App gesucht werden. Die Bilder können kommentiert und mit „gefällt mir“ markiert werden. Bei Recherchen nach Hashtags mit Essstörungsbezug trifft man auf viele Nutzer/innen, deren Account ausschließlich zur Kommunikation bzgl. der Essstörung genutzt wird. Manche fotografieren jede Mahlzeit, die sie aufwändig zubereiten und dekorieren. Manche sammeln Bilder von dünnen Körpern, die sie motivieren weiter abzunehmen. Manche verbeiten Tipps, wie sie von Pro-Ana-Seiten bekannt sind. Auch von Fitnessbegeisterten wird Instagram verwendet und die Grenzen von Gesundheitsbewusstsein und restriktiven Lebens- und Essgewohnheiten verschwimmen. Instagram wird auch von Essgestörten genutzt, die aus ihrer Essstörung heraus wollten und sich dabei gegenseitig unterstützen. Diese sogenannte „recovery“-Bewegung (z.B. #anarecovery mit über einer Million hochgeladenen Bildern) unterscheidet sich durch die Art der Kommentare.

Es gibt noch mehr soziale Netzwerke, die als Austauschplattform dienen, doch vermutlich sind die oben genannten die am meisten genutzten.

Und was heißt das jetzt für Angehörige?

Die Wegnahme des Smartphones und damit das Unterbinden der Kontakte ist keine ideale Lösung, da sie gleichzeitig soziale Kontakte zu Gleichaltrigen unmöglich macht und die Apps und Seiten häufig die einzigen Kommunikationswege der Betroffenen sind. Statt eines Verbotes finden wir wichtig, dass Aufklärung stattfindet und das Gespräch mit den Betroffenen gesucht wird. Essstörungen verherrlichende Seiten können unter jugendschutz.net gemeldet werden, Profile bzw. Accounts beim jeweiligen Provider, also Anbieter der Seite oder App. Geben Sie den Betroffenen Links zu moderierten, professionellen Austauschplattformen wie www.hungrig-online.de oder magersucht.de. Auch die Präventionsplattform www.proyouth.eu bietet Kontaktmöglichkeiten.

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